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07. Juli 2021

„Erfolg braucht den zwölften Mann“

Service | PHOENIX
„Erfolg braucht den zwölften Mann“

Als starker Partner der heimischen Apotheken geben wir in unserem Kundenmagazin PHOENIX print dreimal jährlich Inputs zu aktuellen Branchenthemen. Ein Interviewauszug aus unserer Sommer Ausgabe „Belebt“ mit „Mister Skisprung“ Toni Innauer.

Was macht einen Sportler zum Siegertypen? Was macht einen Geschäftsmann zu einem Steve Jobs?
(Lacht) So oft wie Steve Jobs erwähnt wird, müsste er sich tausendmal im Grab umdrehen. Vermutlich hat er kaum darüber nachgedacht, wie er sein will oder wen er kopieren möchte. Anders ausgedrückt: Jeder Einzelne muss auf seine besondere Art und zu seiner individuellen Zeit ein Steve Jobs sein. Ich muss selbst erkennen, wo ich bin, wo meine Stärken liegen, wofür ich mich einsetze und meine Energie verwende. Die Frage ist, ob jemand die Kraft hat, Dinge umzugestalten. Jobs war bereit, für seine Ideen Reibungen einzugehen. Er konnte beurteilen, was gut, sehr gut und herausragend ist. Viele lassen sich blenden. Besondere Menschen haben ein Thema, das sie bis zum Grund des Verstehbaren durchdringen.

Gibt es denn Parallelen zwischen Spitzensportlern und Geschäftsleuten?
Unendlich viele sogar. Beide Gruppen bilden die Gesellschaft ab. Beide wissen, dass Erfolg mit Talent einhergeht, doch nicht ausschließlich. In erster Linie unterstützen Fleiß und Zähigkeit jemanden dabei, eine unsichere Situation eine gewisse Zeit auszuhalten und an einer Transformation dran zu bleiben. Es handelt sich dabei um Lernprozesse, für die man bereit sein muss. Sportler müssen Erfolge bringen. Wie können hier Individualismus (der Wille zum Sieg) mit der Idee ‘Teil eines Teams‘ zu sein unter ein Dach gebracht werden?

Was können Apotheker davon für sich mitnehmen?
Der (Team)Prozess kann nicht verordnet, aber inspiriert werden. Manchen fällt es leicht, weil sie viel Positives aus dem Team herausholen. Der Egozentriker - im Gegensatz dazu – sieht sich selbst im Mittelpunkt. Bei ihm ist die Erfahrung des Teamgedankens ein wesentlicher Entwicklungsschritt. Grundsätzlich gilt, dass eine wirklich erfolgreiche Kultur nur zu schaffen ist, wenn ich andere miteinbeziehe, wenn ich mein Wissen teile, wenn ich erkenne, dass das große Ganze, die Sache, wichtiger als mein kleinkarierter Erfolg ist. Tatsächlich erkennt der Großteil auch, dass wir soziale Wesen sind. Begeisterung entsteht in der gekonnten Verknüpfung aus Zugehörigkeitsgefühl, Selbstentfaltung und Hingabe an eine Sache.

Wie können sich Spitzensportler nach Rückschlägen wieder motivieren? Welche Erfolgsrezepte haben sie und wie sind diese auf Apotheken übertragbar?
Vielleicht sind sich Sportprofis und Apotheker von den Bedürfnissen her ähnlicher als wir vermuten. Daher ist eine Übertragung zwar nicht eins zu eins, aber immerhin gut möglich. Rückschläge sind niemals fatal, sondern etwas, was man mit mit Kollegen, in der Familie oder mit Trainern besprechen kann, um daraus zu lernen, daran zu wachsen. Aufs Geschäftsleben umgelegt bedeutet das: Führung heißt einen Vertrauensvorschuss zu geben. Wir sind durch die Vielfalt digitaler Möglichkeiten dermaßen verwöhnt, wir können sofort das Programm wechseln, wenn es uns nicht zusagt, ständig auf der Suche nach dem schnellen Kick. Doch Führung und persönlich wertvolle Transformation funktionieren weniger mit schnellen Kicks, sondern mit Energie und Geduld, bis der Lohn der Arbeit einsetzt.

Ist der Spitzensport(ler) einsam oder macht der Erfolg/Misserfolg einsam?
Das ist je nach Typ völlig unterschiedlich. Der egozentrische Typ, der niemand mitnehmen oder teilhaben lassen will, der alles privatisiert, wird auch im Erfolg einsam sein. Starke Teams arbeiten allerdings von Anfang an so, dass der Erfolg des Einzelnen immer auch ein Erfolg der Gruppe ist. Teambewusstsein muss als Kulturfaktor bewusst gepflegt werden. Spitzensportler sind gewöhnt, hart zu arbeiten, ohne auf Effekte und Belohnung warten zu müssen. Ich denke, dass sie daher auch Lustaufschub und Einsamkeit besser aushalten.

Wie können Apotheker den sportlichen Teamgeist für sich nützen? Welche Lehren daraus für ihr Team ziehen?
Dem liegt zunächst die Definition des Teams zugrunde, wen beziehe ich ins Team mit ein? Mitarbeiter, Kunden, Geschäftsführer? Wie möchte ich wirken? Im Skisprung beispielsweise ist jeder stolz, Teil der österreichischen Mannschaft zu sein, wenn die Skispringer erfolgreich sind. Wenn also in einer Apotheke eine gute Stimmung herrscht, wo man die Beziehung zum Kunden atmosphärisch positiv hält, wird man sich dort wohler fühlen. Die Mitarbeiter strahlen Freude am Arbeiten aus – und das wiederum strahlt auf Kunden aus. Ferner hat gegenseitige Wertschätzung eine enorme Bedeutung – ungeachtet der Verantwortungsverteilung und der Hierarchien. Teams zerbrechen, wenn der Einzelne den Erfolg über das Team stellt. Miteinander kann kann man mehr schaffen und vor allem schwierige Phasen besser durchtauchen. Im Fußball ist der Teamgeist der zwölfte Mann: Er bringt den Erfolg.

Apropos zwölf – Ihr Buch „12 Tiroler“ nimmt die Bewegungs-Unlust der Österreicher ins Visier – wie kam es dazu? Wann haben Österreich auf die Bewegung „vergessen“, es verlernt und können sie es von Tieren wiederlernen?
Die Idee kam, nachdem mir Sportlehrer erzählten, welch schlechte motorische Fähigkeiten Kinder haben. Dass sich Menschen zu wenig bewegen, ist ein alter Hut. Das Problem hat sich jedoch verschärft. Der Mensch will grundsätzlich im Lustzentrum der Bequemlichkeit bedient werden, dafür sucht und findet er Abkürzungen. Die Wirtschaft erkennt das und reagiert mit unterschiedlichen Angeboten: Mit dem elektrischen Roller fahren wir vom Auto zum Bürolift. Das heißt, lustvoll rationalisieren wir uns auch noch „die letzte Meile“ an Bewegung weg. Es ist uns zuwenig bewusst, dass wir Lebewesen sind, die Bewegung tief in der DNA haben. Technologiesprünge haben uns das Leben im Rollen und Sitzen eröffnet, die Faszination des digitalen Zeitalters dreht noch stärker an dieser Schraube. Im Spitzensport und Alltag begegnen wir den Auswirkungen: Kandidaten für diverse Ski-Gymnasien sind heute motorisch signifikant schlechter als vor 30 Jahren beziehungsweise müssen Musterungskriterien erleichtert werden, um taugliche Soldaten zu rekrutieren. Das Buch bildet anhand von Alpentieren die Evolution ab und will mit einem Augenzwinkern in Erinnerung rufen, dass wir Säugetiere sind. Es soll zeigen, dass Körperlichkeit und Bewegungsfähigkeit eng mit unserer Identität verknüpft sind.

12 Tiroler bezieht sich auf zwölf Tiere aus dem alpinen Raum. Wie kam es zu dieser Idee? Welche der Tiere würde am besten zum Leitthema der aktuellen Ausgabe „belebt“ passen und warum?
Dazu passen am besten der Rothirsch oder die Kreuzspinne. Diese beiden Tiere stehen für belebende Übungen, die man überall durchführen kann, um Oberschenkel, Gesäß und Rücken wieder zu aktivieren und zu durchbluten. Übrigens: Alles, was zum Ritual wird, belebt uns und zeigt nachhaltige Wirkung.

Zur Person
Mag. Toni Innauer ist Weltmeister und Olympiasieger im Skifliegen (1980), verbesserte zweimal den Skiflug-Weltrekord (174 und 176 Meter) und erhielt 1976 als erster Skispringer fünfmal die Note 20,0. Er war 17 Jahre Nordischer Sportdirektor beim Österreichischen Skiverband und prägt den Nordischen Skisport wie kein anderer in Österreich. Nach seiner aktiven Karriere studierte er Philosophie/Psychologie und Sport in Graz und Innsbruck. Er ist heute Unternehmer, Buchautor und Wirtschaftsreferent.

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